|
|
|
|
|
|
Was die Werbung unter den Tisch kehrt |
|
Es könnte so einfach sein: Filme, Fotos und Musik in bester Qualität aufzeichnen, vervielfältigen und überall abspielen. Die Realität sieht anders aus: DVD-Recorder sind tückisch, Brenner zicken und DVD-Player versagen den Dienst. CHIP Online zeigt die Probleme auf. Hurra, das digitale Zeitalter ist da! Endlich kann nach Herzenslust geglotzt, gespeichert, gerippt und gesammelt werden. Glaubt man der Werbung, geht alles ganz einfach: Die Lieblings-Szenen der Daily-Soap schneiden Sie im Handumdrehen zur persönlichen „Best-Of-Sammlung“ zusammen. Mit einem Rutsch brennen Sie dann alles am PC oder DVD-Recorder auf eine handliche Silberscheibe, die Sie voller Stolz vor versammelter Runde im DVD-Player abspielen – oder?
Brennen ist Profi-Sache Die Praxis sieht anders aus: Uneinheitliche Standards, Schnittstellen-Wirrwarr und unausgereifte Geräte geben den meisten Anwendern Rätsel auf: Warum stockt denn permanent der Urlaubsfilm – ist doch die bestmögliche Qualität? Wo ist die TV-Aufnahme hin – ich hab´s doch gestern programmiert? Wieso dauert das Brennen einer DVD so lange – ich habe doch eine 16fach-Rakete?
DVD-Recorder: Multitalente mit Tücken
DVD-Recorder sind beliebt. Für viele Nutzer wird die Liebe allerdings nicht lang anhalten, wenn die Aufnahme-Programmierung scheitert, VHS-Kopien matschig wirken und nur der Recorder selbst seine gebrannten Rohlinge erkennt.
DVD-Recorder: Können vieles, wenn Sie die Tricks und Grenzen kennen
Ein Sprichwort sagt: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. Im Recorder-Lager müsste es anders heißen: „ Wenn fünf sich streiten, leidet der Sechste.“ Sie als zahlender Kunde müssen nämlich aus bis zu fünf verschiedenen Aufnahme-Formaten wählen. Abspiel-Probleme sind da vorprogrammiert.
Mangelnde Kompatibilität Die gute Nachricht: Jeder DVD-Recorder beherrscht mindestens zwei Schreib-Formate. Die schlechte Nachricht: Sie wissen nie, ob das PC-Laufwerk oder der DVD-Player die Scheiben erkennt. Kaum ein aktueller Player und nur wenige DVD-Brenner können mit DVD-RAM-Medien umgehen. Macht ja nichts. Dann weichen Sie eben auf die wiederbeschreibbaren Formate DVD+RW oder DVD-RW aus. Das Problem: Vor 2002 hergestellte Player erkennen die Scheiben oft nicht.
DVD-RWs sind noch in anderer Hinsicht problematisch: Sie müssen vor der ersten Aufnahme formatiert werden. Das geht im zu DVD-Playern weitgehend kompatiblen Video-Modus (VM) und im editierfähigen Video-Recording-Modus (VR). Im VR-Modus können Sie zum Beispiel Werbung komfortabel entfernen. Das nützt aber nur wenig, wenn der DVD-Player die vom Werbemüll befreite Scheibe nicht spielt.
Wollen Sie Ihre Filme auf anderen Geräten als dem Recorder wiedergeben, brennen Sie diese auf DVD-R oder DVD+R. Dieses Format kennen selbst ältere Player und PC-Laufwerke. Kleine Falle am Rand: Sie müssen die Scheiben "finalisieren", also ein weiteres brennen ausschließen. Wenn Sie unbedingt eine wiederbeschreibbare DVD-RW nutzen möchten, formatieren Sie diese im VM-Modus.
Kann er oder nicht? Nur bessere DVD-Recorder steuern Settop-Boxen
Aufnahme mit Tücken Wer digitales Fernsehen empfängt, kann mit dem eingebauten Analog-Tuner seines DVD-Recorders nichts anfangen. Die Aufnahme-Programmierung muss über die angeschlossene Settop-Box laufen. Diese schaltet sich zur programmierten Zeit ein und wechselt auf den aufzunehmenden Kanal. Der DVD-Recorder sollte zeitgleich mit der Aufnahme beginnen. Das Problem: Dies beherrschen nur besser ausgestattet Geräte ab 450 Euro (und auch hier gibt es Ausnahmen). Bei Billig-Recordern müssen Sie Aufnahmen von Hand starten. Übrigens: Eine Timer-Aufnahme blockiert jeden Recorder für weitere Aktivitäten. Nebenher zappen oder eine DVD schauen geht dann nicht – aber welcher Verkäufer wird Ihnen das auf die Nase binden?
Werbung entfernen geht nicht immer Werbung nervt. Mit DVD-Recordern soll sie sich ganz einfach entfernen lassen. Tatsächlich klappt das bei Recordern mit eingebauter Festplatte am besten. Sonst ist es nur bei –RW und –RAM-Discs empfehlenswert. Denn bei allen anderen Medien bleibt die Werbung auf der Scheibe, sie wird lediglich übersprungen. Das nervt in zweierlei Hinsicht: Die verschenkte Aufnahme-Kapazität schmälert die Film-Qualität. Außerdem gerät die Filmwiedergabe durch die Sprungmarken kurzzeitig ins Stocken.
VHS-Kopien: ohne Rauschfilter ein Greuel
Schlechte VHS-Kopien Ein DVD-Recorder rettet Ihre Video-Kassetten ins digitale Zeitalter. Mit einem Kombi-Gerät aus VHS- und DVD-Recorder geht das angeblich kinderleicht. Eine Kopie ist aber nur so gut wie das Original und ältere VHS-Bänder geizen nicht mit verrauschten Bildern. Die Encoder-Chips interpretieren das Rauschen als Teil des Bildsignals und verschwenden damit wertvollen Speicherplatz. Der ist auf DVD-Medien begrenzt. Bei den typischen Spiellängen E-180 oder E-240 ist die Kopie bereits schlechter als das Original. Wir können daher nur Geräte mit Rauschfilter und Einstellungen zur Bildoptimierung empfehlen. Übrigens: Bei einem Kopierschutz am anliegenden Video-Signal verweigern alle Rekorder die Aufnahme. Fleißige Kaufkassetten-Sammler haben Pech gehabt, das Umgehen des Kopierschutzes ist nach neuem Urheberrecht strafbar. Einen flinken 16fach-Brenner gibt es schon für 70 Euro. Damit brennen Sie alle Medien und sind fit für Double-Layer-Rohlinge. Schade nur, dass es kaum passende Rohlinge gibt und die flinken Raser viel Ausschuss produzieren.
DVD-Brenner: Glücksspiel bei schnellem Brenntempo
Inzwischen haben es alle namhaften Hersteller geschafft, ihre DVD-Brenner auf 16faches Brenntempo zu trimmen. Auch die Fähigkeit zum Beschreiben doppelschichtiger Rohlinge (als Dual-Layer oder Double-Layer bezeichnet) gehört inzwischen zum Standard. Das Plus an Speed bringt in der Praxis leider wenig: Highspeed-Rohlinge sind kaum verfügbar und falls Sie einen teuren Rohling ergattern, erzeugen die Laufwerke damit haufenweise Fehler. Im schlimmsten Fall lesen die Laufwerke die eigenen Medien nicht mehr.
Firmware-Updates sind Pflicht Das Problem: Die Brenner werden verkauft, bevor passende Rohlinge im Handel sind. Die Steuerungs-Software (Firmware) der Brenner erkennt viele Medien nicht zuverlässig. Die bis zu 6 Euro teuren Rohlinge werden bei falscher Schreib-Strategie schlichtweg verbrannt oder langsam beschrieben. Der erkaufte Geschwindigkeits-Vorteil ist damit flöten.
Philips 1640K: Brennt nach Firmware-Update schneller
Abhilfe schaffen Firmware-Updates, die aber nicht jeder Hersteller regelmäßig anbietet. Einige gehen sogar dazu über, statt einem kostenlosen Firmware-Update ein neues Brenner-Modell anzubieten. Kleiner Trost: Die neue Firmware verhilft den alten Modellen zu neuen Features.
Tipp: Die Erfahrungen aus dem Testlabor zeigen, dass Sie die beste Brennqualität bei 4fachem, maximal 8fachem Tempo erzielen. Kaufen Sie ausschließlich bewährte Marken-Rohlinge, etwa von Mitsubishi (erhältlich unter der Marke Verbatim), Benq (Sony) oder Taiyo Yuden (JVC, Plextor oder Fuji). Eine DVD ist dann in maximal 15 Minuten gebrannt.
Lahm bei wiederbeschreibbaren Medien CDs brennen aktuelle Laufwerke endlich so schnell wie CD-Brenner, mit bis zu 48fachem Speed. Auch bei wiederbeschreibbaren DVDs wollen die Hersteller mit 6- bis 8fachem Tempo nachlegen und die Brennzeiten unter 15 Minuten drücken – passende Rohlinge gibt es voraussichtlich Ende Juni. Highspeed-Rohlinge: Teuer und kaum verfügbar
Ein Brenner kommt erst auf Touren, wenn Laufwerk, Firmware und Rohling aufeinander abgestimmt sind. Mangels passender Medien ist das langsame Brennen mit Standard-Rohlingen auf dem Geschwindigkeits-Niveau des Vorjahres die einzige Alternative.
Ausgebremst: Mangels Rohlingen können Sie nur langsam brennen
Stellen Sie sich vor, man hat Ihnen einen Sportwagen verkauft, der am Berg zieht wie ein Kabinen-Roller aus den 60ern. Sicher würden Sie dem unseriösen Verkäufer die Schneckenschleuder wieder vor die Tür stellen. Beim DVD-Brenner-Kauf kann es Ihnen ähnlich gehen: Sie kaufen einen flotten 16fach-Brenner, der auch Double-Layer-Medien (DL) mit 6fachem Tempo beschreiben soll. Nur Pech, dass Sie das nicht ausprobieren können: Es gibt keine passenden Rohlinge. Sie haben also für Features bezahlt, die Sie heute noch nicht nutzen können.
Es gibt kaum Highspeed-Rohlinge Wichtigstes Kaufkriterium bei Brennern sollten daher nicht die bloßen Tempo-Angaben sein, sondern die Medien-Kompatibilität, sowie die Verfügbarkeit der Rohlinge und die Brennqualität. Mit einem aktuellen Brenner-Modell können Sie nur in wenigen Fällen Rohlinge schneller als 8fach brennen. Das Gros der Händler hat noch 4fach-Rohlinge im Angebot. Ein gut sortierter Laden bietet 8fach-Discs. 16fach DVD+R-Scheiben sind vereinzelt zu bekommen, allerdings zu hohen Preisen. Ganz mau sieht es bei 16fach DVD-R- und Double-Layer-Scheiben aus. Auch bei den wiederbeschreibbaren Discs ist nichts zu holen: Es gibt keine schnelleren DVD+RWs oder DVD-RWs als 2,4fach. Immerhin brennen einige Laufwerke Marken-Rohlinge mit maximal 4fachem Tempo – ohne dass die Brennqualität darunter leidet.
DVD-Rohlinge und ihre Preise
Medium
Speed
Circa-Preis Stück
DVD +R
4x
0,40 Euro
8x
2,40 Euro
16x
3,00 Euro
DVD -R
4x
0,45 Euro
8x
2,50 Euro
16x
-
DVD +RW
4x
1,00 Euro
6x
-
8x
-
DVD -RW
4x
0,90 Euro
6x
-
8x
-
DVD -RAM
2,4x
3,00 Euro
3x
3,00 Euro
5x
-
DVD +R DL
2,4x
6,50 Euro
4x
-
DVD -R DL
angekündigt
Der Brenner bestimmt den Speed Abgesehen von der schlechten Rohlings-Versorgung macht es bei den erhältlichen Medien keinen Unterschied, ob Sie 4fach- oder 8fach-Rohlinge verwenden. Am Ende entscheidet der Brenner darüber, wie schnell ein Medium in seiner Lade beschrieben wird. Hier gilt: Je besser das Laufwerk den Rohling kennt, desto schneller kann er gebrannt werden. Besitzen Sie aber Ihren Brenner schon ein Weilchen, muss dieser bei nagelneuen Rohlingen schlichtweg passen. Bei kluger Brennstrategie wird der Rohling daher langsam beschrieben. Blöd, wenn es ein teurer Highspeed-Rohling war. Ein mutiger Brenner wird stets mit maximalem Tempo brennen - und produziert im Zweifelsfall unleserlichen Ausschuss.
In unserem Kompatibilitätstest auf 15 Laufwerken blieben nur 5 von 28 Rohlingen ohne Fehler. Kaufen Sie daher ausschließlich Marken-Rohlinge von Mitsubishi (erhältlich unter der Marke Verbatim), Benq (Sony) oder Taiyo Yuden (JVC oder Plextor). Verzichten Sie zu Gunsten der Medien-Kompatibilität und Datensicherheit auf maximales Brenntempo und setzen Sie die Geschwindigkeit auf 8fach zurück. |
|
|
|
|
|
|
 |
|